Rezension zu “Die Abenteuer der Missis Jö”

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Hallo und herzlich Willkommen zu meiner neuen Rezension! 🙂

Kann sich ein eintöniger Alltag auf einen Schlag in ein Leben voller Wunder und Magie verändern? Dies ist der Fall bei Pierre. Er trifft auf die wundersame Missis Jö und wittert den Beginn einer skurrilen, einzigartigen Reise in ihre Welt – und vielleicht auch zu sich selbst. Wer bereit ist, sich auf die Abenteuer der Missis Jö einzulassen, dem wünsche ich viel Spaß beim Lesen!

Vielen, lieben Dank an den Jeroch Verlag für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplars*! <3

* Rezensionsexemplare oder Leseexemplare beeinflussen nicht meine Bewertung und/oder Rezension. Alles, was ihr hier lest, ist meine persönliche Meinung.

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❈ Infos zum Buch ❈

Autor: Friedhelm Kändler

Illustrator: Burkhard Neie

Verlag: Jeroch *Mit einem Klick in die außergewöhnliche Bücherwelt vom Jeroch Verlag*

ISBN: 978-3863279974

Gebundene Ausgabe: 656 Seiten

Preis: 22,00 Euro

Sprache: Deutsch

❈ Inhalt ❈

Es mangelt an Geld für die Miete, es mangelt an Kaffee, also übernimmt Pierre de Mon die Urlaubsvertretung des Postboten Werner Sonnenbein und schlittert hinein in die Welt der Missis Jö, ihrer Familie und ihrer eigenwilligen Freunde. Da gibt es einen Sohn, der keine Kleidung mag, aber Wölfe, und eine Mutter, die im Küchenschrank wohnt. Der Alltag wird zum Wunderland, erzählt seine Geheimnisse, deren Lockungen Pierre schon bald verfällt. Immer tiefer reißt es ihn hinein in die Strudel des Besonderen, bis auch er versteht, dass er schon immer ein anderer war.

❈ Erster Satz ❈

Herr Werner Sonnenbein war Postbote aus Leidenschaft.

❈ Meine Meinung ❈

Mehrere Buchblogger sowie das Vorstellungsvideo des Verlegers selbst machten mich aufmerksam auf “Die Abenteuer der Missis Jö”. Das Cover erinnert mich stark an die Krimis von Miss Marple – und so habe ich mir auch Missis Jö vorgestellt: als ältere Dame, die im Herzen jedoch jung geblieben und humorvoll ist. Nachdem ich die Geschichten rund um die mysteriöse Missis Jö nun beendet habe, kann ich bestätigen: Sie weiß, Witze zu reißen. Jedoch ist sie nicht die typische “freundliche Dame von nebenan”. Nein – Missis Jö, ihre Familie und Freunde sind anders als alle anderen. Mir wurde sofort klar: Um in dieses verrückte Universum einzutauchen, musste ich mich voll und ganz auf die Absurdität der Geschichten einlassen. Das fiel mir anfangs echt schwer. Gerade als Vielleser ist man an bestimmte Plots und ihre roten Fäden gewöhnt. Man hat eine bestimmte Vorahnung, was als nächstes passieren wird. Nicht bei diesem Buch.

Aber bevor ich in die Tiefe gehe und Satz für Satz untersuche, möchte ich noch ein paar Worte zur Innengestaltung loswerden. Ich finde, dieser Sammelband ist eine wahre Schmuckausgabe. Die am Innenrand rot gefärbten Seiten, das rote Lesebändchen, die skurrilen Illustrationen machen es zu einem edlen Leseerlebnis. Das Format ist sehr praktisch, weil es kleiner als normale Hardcover-Ausgaben ausfällt und somit in jede Handtasche passt.

Friedhelm Kändler versteht sein Handwerk. Nicht ohne Grund wird er als “Wortkünstler” bezeichnet: Der Autor nutzt die Absurdität seiner Geschichte für feine Wortspiele und -Experimente. So entstehen tiefsinnige Stellen, zum Beispiel: “Ist es nicht immer so? Wir fragen und erhalten eine Antwort, die das Fragen nur größer werden lässt.” oder “Wir sind, was wir sind, aber wir wissen es zu selten.” Generell sind die Abenteuer um Missis Jö und ihr verrücktes Gesindel viel tiefsinniger als man zuerst vermuten mag. Ich muss zugeben, dass es mir manchmal etwas zu philosophisch wurde. 😀 Textstellen wie „Muss alles einen Sinn haben oder genügt es, es wahrzunehmen? Gibt es einen Komparativ des Überflüssigen? Und wer das Messer nicht besitzt, kann den Spaß nicht teilen ….“ (Missis Jö, Ende Staffel 1) haben mich dann doch ziemlich verwirrt und ein bisschen überfordert stehen gelassen. Aber ich vermute, dass Kändler genau dies erreichen möchte: Den Leser so in die Irre zu führen, dass dieser den Boden unter den Füßen verliert und auf Gedanken abseits der Norm kommt (wenn ihr versteht, was ich meine XD). Ich finde es interessant, dass die Leser hier in zwei Gruppen unterteilt werden: Diejenigen, die den Worten einen tieferen Sinne entnehmen – und diejenigen, die die Geschichten “nur” zur Unterhaltung lesen. Eigentlich wollte ich zur ersten Gruppe gehören. Man versucht ja schließlich, immer das meiste aus einer Story “herauszuquetschen”. Dann hat sich mir die Klausurenphase in den Weg gestellt und ich wollte beim Lesen einfach nur Entspannen und Abschalten. Wir halten fest: Ich gehöre zur zweiten Lesergruppe. 🙂

Zu den Charakteren möchte ich nicht viel schreiben, weil man sich einfach selbst ein Bild machen sollte. Alles, was ich verraten werde, ist, dass der Leser unter anderem auf Halbvampire, Harpyien, Liebesgöttinen und Werwesen stoßen wird. Nichtsdestotrotz würde ich das Buch nicht in das Genre “Fantasy” einordnen – dafür war es einfach zu… anders… (und da denkt man doch, dass im Fantasygenre einen eigentlich nichts mehr schocken kann). Pierre ist neben Missis Jö der Hauptprotagonist. Wir lernen ihn als gelangweilten “Durchschnittsmenschen” kennen, dessen Alltag sich mit dem Eintreffen der Familie Jö jedoch schlagartig ändert.

Ich habe mit Pierre, Miss Jö und Co. gelacht und gelitten. “Die Abenteuer der Missis Jö” spiegeln die Reise eines Mannes in eine “andere” Welt wider, welche in dem Finden der eigenen Identität mündet. Und für alle, die sich nicht vom philosophischen Aspekt leiten lassen wollen, sind es unterhaltsame Geschichten, die aber keinesfalls “Lektüre für Zwischendurch” sein kann.

Ich gebe dem Buch 4 von 5 Traumwolken!

Ich hoffe, dass euch meine Rezension gefallen hat.  Anregungen, Wünsche, Kritik oder Fragen könnt ihr immer unten in die Kommentare schreiben! ♥  

Liebe Grüße

eure Julia ♥

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